
Als Renaissance bezeichnete zuerst der italienische Kunsthistoriker Giorgio Vasari um die Mitte des 16. Jahrhunderts die Epoche der Wiederherstellung der vorbildlichen antiken Kunst im Gegensatz zu deren angeblich in der Zeit der dazwischen liegenden mittelalterlichen Jahrhunderte eingetretenem Verfall. Während er als Beginn dieser Epoche das Zeitalter von Dante Alighieri, also die Mitte des 13. Jahrhunderts ansetzte, wird heute insbesondere für die Musik zumeist die Zeitspanne vom Beginn des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts als Kernbereich der Renaissance angesehen. Die Renaissance überschneidet sich jedoch bei erheblichen Unterschieden hinsichtlich der einzelnen Künste und der verschiedenen europäischen Regionen an ihrem Anfang mit dem Mittelalter ebenso wie am Ende mit der Epoche des Frühbarock („Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“). Aus diesem Grund ist im Hinblick auf die Epoche heute zumeist von der Frühen Neuzeit die Rede. Philosophische Grundlage des Zeitalters ist mit der Rückbesinnung auf die Antike der Humanismus, besonders das Studium der Schriften Platons in der Originalsprache. (Lit.: Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien, München 1998)
In die Zeit der Renaissance fällt die erste große Welle der Entwicklung von Musikinstrumenten im neuzeitlichen Europa. Viele Instrumente erscheinen erstmals in dieser Zeit. Besonders auf dem Sektor der Holzblasinstrumente wird eine Vielzahl von Neuentwicklungen eingeführt. Ebenso wie diese werden auch bereits bekannte, bislang nur in einzelnen Stimmlagen verwendete Instrumente nun in Anlehnung an das Gesangsquartett in mehreren Stimmlagen gebaut, zumeist mindestens in den Größen Sopran (oder Diskant), Alt, Tenor und Bass. Das Instrumentarium der Capella de la Torre ist ein getreues Abbild dieser Entwicklung: Verwendung finden ganze „Instrumentenfamilien“ von der Schalmei über den Alt- und Tenorpommer bis hin zum Großbasspommer, Alt-, Tenor- und Bassposaune sowie Alt-, Tenor- und Bassdulzian. (Lit.: David Munrow: Instruments of the Middle Ages and Renaissance, Oxford 1976)