Im Geltungsbereich der protestantischen Gottesdienstordnung lutherischer Observanz war im 16. Jahrhundert neben Chor- und Gemeindegesang sowie Orgel auch weiterhin Instrumentalmusik im Gottesdienst üblich: „Nach gescheener Predigt haben der Königlichen Stat Breslaw Musici ein herlich stück sex vocum geblasen / Unter deß haben die beiden Churfürsten die Braut vor den Bischoff und Altar bracht.“[1]
Mit diesem konkreten Beispiel beschreibt der Chronist die Mitwirkung der Breslauer Stadtpfeifer am Hochzeitsgottesdienst zur Vermählung des künftigen Herzogs August von Sachsen mit der dänischen Prinzessin Anna in Torgau am 7. Oktober 1548.
Die behutsame, auf Vermeidung konfessioneller Streitigkeiten angelegte Weise der Einführung der Reformation in Breslau ab 1524 durch Johann Hess bewirkte darüber hinaus, daß in Breslau länger als anderswo die Unterschiede zwischen katholischer und protestantischer Liturgie vergleichsweise gering blieben. Ein Zeugnis hierfür ist der 1575 in Nürnberg erschienene, dem Breslauer Rat gewidmete Musikdruck Cantus Choralis von Johannes Knefel[2]. Er faßt das Proprium de tempore, die wechselnden liturgischen Gesänge für die Hochfeste der Kirche Per Totum Anni Curriculum, also für das gesamte Kirchenjahr, zusammen. Lateinische Texte und Cantus Firmi entsprechen weitgehend den traditionellen der katholischen Kirche. Aus den fünf Stimmbüchern des Originaldrucks übertragen, wird das Werk hier erstmals in moderner Notation herausgegeben und der Allgemeinheit zugänglich gemacht.
Bei der Aufführung ist zu beachten, daß der zugrundeliegende liturgische Text nicht in allen Teilen vollständig im mehrstimmigen Satz vertont ist. Die fehlenden Teile sind im Sinne der Alternatim-Praxis durch die passende Gregorianik zu ergänzen.
[1] Vorzeichnus was vor Chur und Fürsten etc. auff dem Herlichen Beylager und Freud des Hochlöblichen Fürsten Hernn Augusten Hertzogen zu Sachsen etc. mit der Durchlauchten Fürstin Freulein Anna etc. Kö. wirde zu Dennemarck etc. tochter / gescheen den siebenden tag Octobris Anno etc. XLVIII zu Torgow / gewesen, o. O u. J., zit. n. Armin Brinzing: Studien zur instrumentalen Ensemblemusik im deutschsprachigen Raum des 16. Jahrhunderts, Göttingen 1998 Bd. 1, S. 159
[2] Cantus Choralis, Musicis Numeris Quinque Vocum Inclusus, Eo Ordine, Quo Per Totum Anni Curriculum Praecipibus Diebus Festis In Ecclesia Cantari Solet A Johanne Knefelio, Noribergae MDLXXV. Knefel diente als Kapellmeister am kurpfälzischen Hof.

Despite Michael Praetorius being quite famous to the broader audience, special colours and different shapes of his work are still unknown. Praetorius has not only been a composer but also a famous musicologist and teacher. In his
“Syntagma Musicum” he wrote about sacred as well as about secular music as it was performed at Halle one of the most important German centers of musical life in the early 17th century. Besides Praetorius there was the 15 year younger Samuel Scheidt who worked at the court of Braunschweig-Wolfenbüttel and also at Halle. Scheidt worked as musical director at St. Mary´s church in Halle and also the first of the towns waits. In the musical practice it was very important to combine the voices of the singers, who were employed by the court or the city of Halle, and instruments. Sources about the inventory of the “Hallesche Ratsmusik” tell us about a large number of wind instruments like shawms, dulcians and flutes as well as cornets and sackbuts. Musicians had to perform during the church services as well as at secular occasions.
Capella de la Torre plays in cooperation with international well known soloists as singer Dominique Visse or cornetist William Dongois sacred and secular music of Praetorius and Scheidt in its original sound of the waits of Halle, directed by the composers themselves.

Christmas in Renaissance time was celebrated by very special high masses. The music during these services was so important that many people did not come as believers but to listen to the music. In addition people were singing and dancing to simple chants with enchanting rhythms.
The success of this new genre of Christmas music was so outstanding that the most famous compositors of the time began to write so called „Villancicos“. A well known example fort his practice is the ensalada „La Negrina“of Mateo Flecha. Reams of anonyme villancicos can today be found e.g. in the „Codex del Duque de Calabria“ („Cancionero de Uppsala“).

[Translate to Englisch:] Die Annaberger Chorbücher sind, obwohl man spätestens seit Anfang des 20. Jahrhunderts um ihre Existenz weiß, bis heute nicht in moderne Notation übertragen oder neu herausgegeben worden. Bedeutende Teile der Musik werden also mit der vorliegenden Einspielung seit mehreren hundert Jahren der Öffentlichkeit erstmals wieder in Wort und Ton zugänglich gemacht.
Eine zusätzliche Besonderheit ist die Kombination von Doppelrohrblattinstrumenten dieser Zeit mit Singstimmen. Die Aufnahme folgt mit dieser Praxis einer Vielzahl von historischen Quellen zur zeitgenössischenAufführungspraxis. Schon die kürzlich entdeckten und restaurierten Instrumente aus dem Figurenschmuck der Grablege Moritz´ von Sachsen im Freiberger Dom, wo gleich drei Schalmeien vertreten sind, stellen einen klaren Hinweis auf diese Praxis dar. Darüber hinaus ist speziell für die St. Annenkirche bereits zu ihrer Einweihung im Jahr 1519 die Mitwirkung der Leipziger Stadtpfeifer an der Liturgie belegt. Blasinstrumente waren also regelmäßig an der Gestaltung feierlicher Gottesdienste beteiligt. Neben der vokalen Praxis des 16. Jahrhunderts werden bei dieser Aufnahme deshalb auch die jüngsten Erkenntnisse über Instrumentalmusik im sakralen Raum berücksichtigt. Katharina Bäuml